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Gemeinschaftspraxis für Urologie

Dr. Kilian Rödder
Tim Neumann
Dr. Philip Reiß
Michael Gawin
Philipp Latz

Harninkontinenz / Beckenbodenschwäche


Der unwillkürliche, unfreiwillige Harnverlust wird vom Arzt als Harninkontinenz bezeichnet. Der betroffene Mensch ist außerstande, den Zeitpunkt des Wasserlassens selbst zu bestimmen. Dies kann verschiedene Ursachen haben wie Störungen von Harnblase, Harnröhre, Harnblasenschließmuskel, Beckenbodenmuskulatur, Nerven, welche diese Organe versorgen, oder eine vergrößerte Vorsteherdrüse beim Mann. Die Harninkontinenz ist ein verbreitetes Leiden, das Männer und Frauen aller Altersstufen gleichsam betrifft.

Inkontinenz und Blasenschwäche

Kaum zu glauben, aber unter Blasenschwäche und Inkontinenz leiden in Deutschland mehrere Millionen Menschen. Vielfach wird diese Erkrankung als Alters- oder Frauenkrankheit angesehen. Aber Inkontinenz kann in jedem Alter auftreten.

Auch Männer und Kinder können davon betroffen sein. In jedem Fall ist Inkontinenz ein Leiden, das die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränkt. Je nach Ursache gibt es heute vielfältige Möglichkeiten, die Beschwerden zu bessern und die Lebensqualität der Betroffenen wieder herzustellen.

Inkontinenz ist nicht nur unangenehm, sie ist auch immer Zeichen einer Erkrankung. Welche Ursachen bzw. welche Erkrankung der Inkontinenz zugrunde liegt, kann äußerst unterschiedlich sein. Deshalb ist immer eine genaue medizinische Untersuchung erforderlich. Denn nur wenn die Ursache ausreichend geklärt ist, kann eine gezielte Behandlung durchgeführt werden.

Nach einem Vorschlag der International Continence Society (ICS) werden folgende Formen der Inkontinenz und ihre häufigsten Ursachen unterschieden:

  • Belastungs- oder Stressinkontinenz: Schließmuskelschwäche
  • Drang- oder Urgeinkontinenz
  • Sonderformen



Die Untersuchungen bei der Harninkontinenz

Die Urinuntersuchung: Eine durch Bakterien verursachte Blasenentzündung kann für eine Dranginkontinenz verantwortlich sein. Durch eine einfache Urinuntersuchung kann dies weiter eingegrenzt werden. Auch die Beurteilung von Zellmaterial im Urin gibt wertvollen Aufschluss.

Die Ultraschalluntersuchung: Sie ist eine universelle Methode und wird häufig genutzt. Sie ist leicht und schnell einsetzbar und gibt dem Urologen viele Informationen zur Beurteilung der Organe im Bauch und im Becken. Sie ist ein völlig schmerzfreies Verfahren. Der Arzt sieht auf einem Bildschirm ein Bild aus dem Körperinneren.

Die Blasendruckmessung: Dies ist eine der wichtigsten Untersuchungen zur Abklärung der Harninkontinenz. Die Harnblase wird über einen Katheter mit Flüssigkeit gefüllt. Während des Auffüllvorgangs werden die Druckwerte unter den verschiedenen Füllungszuständen gemessen. Gleichzeitig wird auch im Enddarm gemessen, um Druck von außerhalb auf die Harnblase auszuschließen. Kombiniert wird die Zystometrie ggf. auch mit einer Röntgenbild-Darstellung des Harnabflusses nach Einfüllen von Kontrastmittel in die Harnblase; der Patient wird dabei zum Husten aufgefordert.

Die Blasenspiegelung (Zystoskopie): Die Zystoskopie wird unter örtlicher Betäubung oder in Narkose durchgeführt. Das Zystoskop ist ein Instrument, in dem ein Licht leitendes System mit einer Lichtquelle verbunden ist. Die Durchführung einer Blasenspiegelung wird in der Regel vor geplanten operativen Maßnahmen durchgeführt. Bei dieser Untersuchung kann die Harnröhre und die Harnblase gut beurteilt werden. Beim Mann ist zudem die Vorsteherdrüse teilweise direkt einsehbar.

Formen der Harninkontinenz und geeignete Behandlungsmaßnahmen:

Die Belastungsinkontinenz:
Sie wurde auch früher als Stressinkontinenz bezeichnet, weil der Verlust von Urin bei körperlicher Belastung auftritt, z.B. beim Heben oder Tragen schwerer Gegenstände, bei anderen körperlichen Anstrengungen wie Laufen, Treppensteigen oder Aufstehen aus dem Sitzen, beim Husten oder Niesen. Es ist das Hauptmerkmal dieser Form der Harninkontinenz.

Diesem liegt eine Funktionsstörung des Harnröhrenschließmuskels zugrunde. Oft findet sich daneben auch eine Schwäche der Muskulatur des Beckenbodens. Letzteres ist häufig bei Frauen besonders nach Geburten oder bei Übergewicht zu finden. Die Organe des Beckens verlagern sich dabei nach unten, besonders die Harnblase ist betroffen. In schweren Fällen tritt auch der Enddarm und die Gebärmutter hinab und es kann zu einem Vorfall kommen.

Die Stressinkontinenz ist beim Mann eher selten und dann meist durch eine Verletzung des Schließmuskels der Blase bedingt, wie sie zum Beispiel nach einem operativen Eingriff an der Vorsteherdrüse oder nach einem Unfall auftreten kann.

In jedem Falle erfordert die Stressinkontinenz eine der Schwere nach angepasste Behandlung: Bei gering ausgeprägter Stressinkontinenz - nur bei schwerer körperlicher Anstrengung kommt es zum Urinverlust - kann die Beckenbodengymnastik unter entsprechender fachlicher Anleitung das Gewebe straffen und stärken. Durch eine solche krankengymnastische Behandlung erfährt auch der Harnröhrenverschlussmechanismus eine Kräftigung. Angestrebt wird durch diese Übungen auch das Training für die willkürliche Kontrolle der Harnblase (Biofeedbacktraining). Erste Erfolge der krankengymnastischen Behandlung werden oft erst nach einem längeren Zeitraum sichtbar, weshalb auch eine intensive Mitarbeit des Patienten erforderlich ist. So vergehen nicht selten sechs Monate, bis eine deutliche Besserung der Krankheitszeichen nachweisbar ist.
Die elektrische Stimulation der Muskulatur des Beckenbodens kann ergänzend Anwendung finden.

Bei stark ausgeprägter Stressinkontinenz, d. h. Harnverlust bereits bei einfachen Verrichtungen des täglichen Lebens, muss eine Kombination von nicht-operativer mit einer operativen Behandlung erwogen werden.

Bei Harnverlust bereits in Ruhe oder im Liegen kann als Möglichkeit nur eine der vielfältigen operativen Verfahren ins Auge gefasst werden, was hauptsächlich bei Frauen in Betracht kommt. Eine weitere Maßnahme ist die Anwendung von Windeln oder die dauerhafte Ableitung des Urins mittels eines Katheters durch die Bauchdecken. Hierbei ist jedoch besonderes Augenmerk auf Hautreizungen und Infektionen des Urins zu legen.

Die Dranginkontinenz: Bei dieser Form der Harninkontinenz ist der Harnröhrenverschlussmechanismus zwar intakt, jedoch liegt eine Überaktivität des Blasenmuskels zugrunde, die sich darin zeigt, dass die Harnblase nicht mehr in der Lage ist, eine normale Menge Urin aufzunehmen, um ihn über einen längeren Zeitraum zu speichern. Die Betroffenen leiden unter einem ständigen Gefühl des Harndrangs, den sie nicht unterdrücken können. Der ungewollte Harnverlust führt zu häufigen Toilettengängen mit der Entleerung von jeweils nur geringen Harnmengen.
Bei der leichteren Form der Dranginkontinenz spricht man auch von einer Reizblase. Neben vermehrten Toilettengängen ist es jedoch noch möglich, den Drang des Wasserlassens zu unterdrücken.

Neben dem Training der Harnblase mit gezieltem Einüben einer regelmäßigen Harnblasenentleerung ist bei einer Vielzahl von Patienten durch die Gabe von bestimmten Medikamenten eine Linderung und Heilung möglich. Solche Medikamente wirken auf das Nervensystem, sie nehmen Einfluss auf die Spannung der Harnblasenmuskulatur. Mit einem Wirkungseintritt der medikamentösen Therapie ist aber erst nach etwa vier bis sechs Wochen zu rechnen. Bei guter Mitarbeit durch den Patienten steht als alternative Behandlung die elektrische Reizung der Beckenbodenmuskulatur zur Verfügung; auch hierbei kann ein halbes Jahr vergehen, bis ein Erfolg eintritt.